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WAS
IST JUDO?
Wettkampfsport - Fitnesstraining - Befreiendes Spiel - Erziehung -
Selbstverteidigung?
Für jeden kann
Judo etwas anderes bedeuten. Als der Japaner Prof. Jigoro Kano vor ca. 110
Jahren die erste Judoschule der Welt gründete, glaubte er besonders zwei
Probleme zu lösen: Er wollte ein Gymnastiksystem schaffen, dass den
Körper gesund und fit erhält und trotzdem nicht langweilig ist. Und
außerdem wollte er seine schon damals fanatisch übenden Schüler durch
einen interessanten Wettkampfsport neuen Anreiz bieten. Jahre später, als
Leiter einer Lehrerakademie, betonte er den erzieherischen Wert des Judo.
Höflichkeit ,Einsatzbereitschaft ,Phantasie ,Mut und Durchhaltevermögen
werden im Judo verlangt und können durch Judo gefördert werden. Heute
nimmt die Zahl derer, die Judo einfach deshalb betreiben, weil es ihnen
Spaß macht, mit dem Partner auf der Matte zu ,,spielen", einen
schönen Übungskampf (Randori) zu bestreiten und dabei ein Gefühl der
Befreiung und Befriedigung zu erleben, wie es in der Berufswelt selten.
geworden ist, ständig zu.
Wenn man eine
gewisse Zeit Judo geübt hat, wird man alle Seiten dieses schillernden
Begriffs Judo näher kennen gelernt haben. Vielleicht ist dann Judo auch
zur einer Lebenseinstellung geworden. Nur aus dem Motiv, aus dem heraus
bestimmt mehr als die Hälfte der 100 000 aktiven Judosportler in
Deutschland zu ihrem Sport gefunden haben, dem Motiv der
Selbstverteidigung, werden die wenigsten stehen bleiben. Wer möchte auch
immer für den ,,Ernstfall" üben? Welcher 100 m - Läufer trainiert
nur deshalb, um im ,,Ernstfall“ den gerade abfahrenden Bus
noch erspurten zu können?
Sport für die ganze Familie
Ein guter Werbeslogan? Er hat auch den Vorteil, wahr
zu sein:
Es gibt
Wettkämpfe für Kinder, für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren.
Meisterschaften werden durchgeführt für Jugendliche ab 14 Jahren und bei
den Senioren ab 18 Jahren. Seit 1970 kämpfen in Deutschland auch die
Damen (in eigenen Gewichtklassen selbstverständlich) Es gibt zwar kaum
einen Judosportler, der älter als 40 ist und noch an öffentlichen
Wettkämpfen teilnimmt, aber zu Ende ist die Judolaufbahn deswegen noch
lange nicht. Das hängt mit der Rolle zusammen, die im Judo der
öffentliche Wettkampf spielt: Man trainiert nicht für den Kampf sondern
man kämpft gelegentlich, um das Training zu kontrollieren. Oder anders
ausgedrückt ,,Nicht das Ziel
ist wichtig, sondern der Weg dorthin".
Außerdem gibt
die Übungsform der KATA (zeremonielles Demonstrieren richtiger Techniken
und Bewegungsabläufe) auch den älteren oder den nicht mehr
wettkampfinteressierten Judoka die Möglichkeit, Erfolge und Fortschritte
im Judo zu erleben.
Passende Technik für jeden
Besondere
körperliche Voraussetzungen braucht man nicht (Schnelligkeit, Kraft,
Ausdauer und Geschmeidigkeit, die man natürlich braucht, schafft man sich
im Verlauf des Trainings an). Einen speziellen Judotyp gibt es nicht.
Keiner braucht zu sagen, aus den und den Gründen - weil ich zu groß, zu
klein oder zu dick bin - werde ich es nie schaffen. In anderen Sportarten
trifft das vielleicht zu (Ein 1,50 m großer Mann mit dem Wunsch,
Hürdenläufer zu werden, wird immer ein hoffnungsvoller Fall bleiben).
Nicht so im Judo: Unter der Vielzahl der Techniken findet jeder die für
seinen Typ, seine Voraussetzung passende heraus. Ein großer Judoka wird
zwar nie Erfolg mit ,,Schulterwurf" haben, bei dem man tief in Hocke
vor dem Partner stehen muss; er wird sich lieber Techniken aussuchen, bei
denen er seine langen Beine gut einsetzen kann (O-soto-gari z.B.). Es ist
ein großer Vorteil, dass es die absolute, objektiv messbare Leistung im
Judo nicht gibt. Ein gelungener, schöner Weitsprung von 2,80 m kann nicht
voll befriedigen angesichts der täglich im Fernsehen zu beobachtenden
8-m-Springer. Ein schöner Wurf, ein geglückter Bewegungsablauf erfüllen
den Weltmeister im Judo mit der gleichen Freude wie den Anfänger in einer
Judoschule.
Wolfgang Wien
(6.DAN) |