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Über eine ,,Schmiede besonderer Art"

(von Rolf Hanning, 4.DAN)

Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen! Diese Volksweisheit ist auch auf Judoka anzuwenden. Vor eine Dan-Graduierung (Judo-Meisterprüfung) haben die Götter den Schweiß gesetzt. Wer in 6 Jahren ausdauernden und intensiven Trainings in optimaler Zeit vom Anfänger zum Meister avanciert - acht Kyu-Grade (Schülergrade) sind vorher zu erwerben - gehört im Judo zum „Ausnahmesportler". Meistens dauert die gesamte Vorbereitungszeit bis zum Erreichen des 1. Dan-Grades länger als 6 Jahre.

Für den weitaus überwiegenden Teil der Judoka ist der ,,schwarze Gürtel" zwar erwünscht und erstrebenswert, aber der lange Weg dazu wird nicht durchgehalten. Obwohl ein ,,schwarzer Gürtel“ sich ja ,,ganz gut macht" und Meisterwürde unterstreicht, mangelt es Menschen in unserer schnelllebigen Zeit oft an dem Vermögen, Langzeitziele konsequent zu verfolgen. Wäre die Tat nur halb so leicht wie der Wunsch, es gäbe eine Welt voller Meisterstücke!

Aber auch die Art der Ausbildung und Betreuung in den Vereinen kann ein Hemmnis auf dem Weg zu gutem Judo und zum Dan-Grad sein. Zweifelsohne ist die gute Betreuung des Nachwuchses in den Vereinen davon abhängig, dass auch künftig genügend hervorragend ausgebildete Meisterabsolventen den Vereinen zur Verfügung stehen.

Eine wesentliche Hilfe auf dem Weg hin zum technisch perfekten und in der Persönlichkeit gereiften Meister - der damit für charakterbildende, erfolgreiche Jugendarbeit in den Vereinen durch meisterliche Kompetenz sorgt - bieten wir mit einer funktionstüchtigen jederzeit zu nutzenden Judo-Übungsstätte an. Die Hilfe, die durch einen adäquaten Übungsraum möglich wird, ist nicht zu unterschätzen. Sie ist ein wesentlicher, mitentscheidender Faktor.

Der Abteilungsleiter der Judoabteilung des SC Blau Weiß Ottmarsbocholt erinnert sich noch heute gern an frühere Gespräche mit dem Sendener Gemeindedirektor i. R. Konrad Potts, in denen über eine Konzeption zu einer solchen Übungsstätte lebhaft diskutiert wurde. Unser früherer Gemeindedirektor hatte ein  feines Verständnis dafür, dass man in der Jugendarbeit konsequente Wege gehen darf, solche Wege, die sich auch mit einem geeigneten Sportstättenbau verbinden. In Ottmarsbocholt entstand ein entsprechendes Judo-Dojo. Dojo bedeutet im Japanischen: ,,Ort zum Studium des Weges". Wer sich in der Selbsterfahrung, Selbsterziehung und in partnerschaftlichen Üben und Er­tüchtigen auf diesen Weg machen will, ist herzlich bei uns eingeladen.

Allmählich entwickelte sich das Ottmarsbocholter Dojo dann folgerichtig zur ,,Meisterschmiede" für die umliegende Region.

Über die Bedeutung für die Jugendarbeit in unserer Zeit - insbesondere die Charakterbildung der Jugend - , die mit der Entsendung ,,frisch gebackener Meister" in die Vereine verbunden ist, darf man mal nachdenken. Der SC Blau-Weiß hat hier in den letzten Jahren  viel für die Region getan. Seit 1994 - also in den letzten Jahren - konnte allein durch Prüfungen in Ottmarsbocholt der nur auf Landesebene zu vergebende Meistergrad 64 mal (!) erworben werden. Sieben Dan-Graduierungen gab es in den eigenen Reihen des SCBWD.

Der Grund für unseren Ausbildungserfolg: Immer stand das Dojo für Dan-Vorbereitungslehrgänge zur Verfügung. Es gab keine zeitlichen Engpässe durch ,,anderweitige Belegung".

Hervorragende Lehrer (z.B. Großmeister Joachim Schulte, 7. DAN) wurden bei Bewilligung der erforderlichen Mittel durch das Nordrhein-Westfälische Dan-Kollegium oft in unser Dojo eingeladen. Unsere Lehrer (Landes- und Bundesreferenten) kommen gern in dieses Dojo. Des weiteren liefen bei geschickter Finanzierung in unserem Dojo Ausbildungslehrgänge für Gruppenhelfer und Übungsleiter. Wir und die umliegenden Vereine profitierten erheblich davon.

Aber auch die so genannte tägliche Kleinarbeit mit Kindern und Jugendlichen wird bei uns gepflegt. Gutes Basistraining ist nicht minder arbeitsintensiv. Das auch diese Arbeit von Erfolg für die Kinder und Jugendlichen gekrönt ist, beweisen die mit guten Prüfungsnoten bestandenen Kyu-Prüfungen, von denen wir Videoaufzeichnungen gemacht haben. Wir zeigen diese nach den Sommerferien gern Kindern und Eltern - auch Interessenten die Nicht-Judoka sind.