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Münster - Am Freitag schwänzte Jonte Flachmeyer die letzten Schulstunden. Der 16-Jährige hatte guten Grund dazu, denn er musste sich auf den Weg zur Deutschen U 17-Judo-Meisterschaft in Rüsselsheim machen.

Jonte Flachmeyer sitzt mit dem Rücken zum Trainingsgeschehen. Sein Blick wandert ein ums andere Mal hinüber zu den Matten. "Mein Ziel ist es, einfach immer schönes Judo zu zeigen", sagt der gebürtige Münsteraner. "Ich habe nichts zu verlieren. Ich kann nur gewinnen. Ich bin das erste Mal dabei und weder Favorit noch krasser Außenseiter, denn man kann die Konkurrenz sehr schwer einschätzen."

Der Gymnasiast und Sprössling einer Judo begeisterten Familie tritt am heutigen Samstag mit den Besten der Besten auf die Matte. Die Vorbereitung zu seinem bisher größten Turnier verlief nach Plan. "Sonst trainiere ich zwei- bis dreimal in der Woche, aber in den letzten Tagen vor dem Wettkampf schraubt man die Einheiten etwas herunter, damit man zu Beginn der Kämpfe nicht völlig ausgelaugt ist", erklärt der Dritte der Westdeutschen Meisterschaften.

Trainer Oliver Berkemeier - (Foto), 24-jähriger Sportstudent und aktiver Judoka, kennt die Stärken seines Schützlings genau. "Jontes Vorzüge liegen in der Abtauchtechnik und im Bodenkampf. Aber ebenso wichtig ist seine Gelassenheit auf der Matte. Er behält immer die Nerven und lässt sich gut von außen coachen. Ein Platz unter den ersten Zehn ist realistisch", schätzt Berkemeier, der seinen Athleten nach Rüsselsheim begleitet. Für ein gutes Gelingen seiner Premiere bei den Deutschen Meisterschaften muss Flachmeyer allerdings noch eine Hürde überspringen: "Ich muss noch etwas Gewicht runter trainieren, weil ich am Samstag beim Wiegen nicht mehr als 73 Kilogramm auf die Waage bringen darf", sagt Flachmeyer.

Stolz erklärt Gabi Reißberg, Vorsitzende der Judogemeinschaft Münster, warum sich alle mit dem ehrgeizigen Kämpfer freuen: "Bei den Bezirksmeisterschaften im vergangenen Jahr brach sich Jonte das Handgelenk und hatte eine lange Durststrecke. Aber er hat nie aufgesteckt, wir haben ihn aufgebaut und ernten jetzt die Früchte unserer Arbeit."

Seit sieben Jahren gibt es den Dachverband für Judo-Vereine, vornehmlich zur Talentförderung. "Judo ist in Münster auf dem aufsteigenden Ast", so Reißberg.

Angst vor Strafarbeiten wegen des Schulschwänzens vor der DM hat Jonte Flachmeyer übrigens nicht: "Das Pascal-Gymnasium ist eine Partnerschule des Leistungssports und hat mich freigestellt." - pdb

 

Samstag, 03. März 2007  |  Quelle: Münstersche Zeitung (Münster)