|
|
|
|
Reißberg Deutsche Vizemeisterin Katrin Reißberg von der Judogemeinschaft Münster belegte am 18. Oktober in Wuppertal bei den Deutschen Einzelmeisterschaften der Landesverbände den zweiten Rang. Der Gewinn der Silbermedaille war nach dem dritten Platz in der U20-Konkurrenz 2008 der bisher größte nationale Erfolg der 19-Jährigen. Diesmal ging Reißberg in der Klasse bis 70 kg bei den Frauen an den Start. Die Qualifikation über die Bezirks- und Landesebene war der Westdeutschen Meisterin des Vorjahres erspart geblieben. Die U20-Starterin, die bei ihren eigenen Titelkämpfen im Januar einen Treppchenplatz knapp verfehlte, war wegen eines internationalen Einsatzes in Frankreich durch den Bundestrainer Michael Bazynski zur DEM gesetzt worden. Unter 31 Judoka aus dem gesamten Bundesgebiet ging es in der Vorrunde zunächst einmal um den Poolsieg. Der erste Kampf zeigte sich dabei nicht als das größte Problem. Gegen Anna Traus vom Brandenburgischen Judoverband konnte Reißberg innerhalb von einer Minute mit Haltegriff gewinnen. Obwohl Bodentechniken nicht zu den Stärken der Münsteranerin gehören, zeigte sie gegen Traus einen energisch und konsequent geführten Bodenkampf. Für die noch vor einer Woche an einer starken Erkältung erkrankten Reißberg war das gerade der richtige Einstieg in das Wettkampfgeschehen - Kräfte gespart, aber Selbstbewusstsein getankt. Beides war für Jindra Nesteruik aus Schleswig-Holstein auch nötig, denn die Schulterwurf-Spezialistin bereitete der Athletin, die beim Polizeisportverein ihre Judo-Wurzeln hat, zunächst etwas Mühe. Mit der Linksauslage der Gegnerin kam sie, obwohl von ihrem Trainer Oliver Berkemeier gut eingestellt, zu Anfang nicht zurecht. Die Dominanz von Reißberg war zwar zu erkennen, dennoch drohte Nesteruik die hochaufgeschossene Judoka mit dem Seoi-Nage zu Fall zu bringen. Deshalb sollte noch ein wenig gezittert werden, besonders als Reißberg einem Wurfansatz so gerade eben noch ausweichen konnte. Dann war es eine Innensichel (O-Uchi-Gari), die die Angelegenheit zu Gunsten der JGlerin nach mehr als drei Minuten Kampfzeit beendete. Mit Laura Vargas-Koch folgte jemand, der durchaus als Favorit für den nächsten Sieg gehandelt wurde, denn die Berlinerin hatte die letzten beiden Aufeinandertreffen für sich entschieden. Doch Reißberg musste sich der Aufgabe stellen. Eine Niederlage bedeutete einen langen Weg durch die Trostrunde mit maximaler Chance auf Platz drei, ein Sieg hingegen den Einzug ins Halbfinale. Ein zähes Ringen um den Griff begann und zunächst war die Überlegenheit von Vargas-Koch deutlich zu merken. Der kraftvolle Uchi-Mata (Innenschenkelwurf) wurde der Münsteranerin beinahe zum Verhängnis, gleich der erste Versuch brachte sie an den Rand einer Niederlage. Nachdem sie sich dem Wurfversuch entgegen gestemmt hatte und versuchte, ihr Gleichgewicht zu halten, kam endlich das Unterbrechungskommando des Kampfrichters und die Gefahr war zunächst einmal gebannt. Als es kurze Zeit später erneut zu einer fast gleichen Situation kam, wusste Reißberg, dass sie das nicht noch einmal durchhalten könnte. Fast schon war sie selbst komplett in der Luft, als sie ihre ganze Kraft zusammen nahm und den Wurf mit einem Gegendreher parierte. „Das war Ganz-oder-gar-nicht-Judo. Entweder ich fliege oder ich reiß es noch rum, hab ich da nur gedacht“, erklärt die Fachoberschülerin des Anne-Frank-Kollegs. Auch ein bisschen Glück gehört dazu, denn es hieß Ippon als Belohnung für das gegangene Risiko. Damit war der Poolsieg geschafft, das Halbfinale erreicht. Dort wartete Susanne Hoffmann aus Mecklenburg-Vorpommern. Hochmotiviert, den Endkampf vor Augen, ging Reißberg in diese Begegnung. Hoffmann war relativ schnell handlungsunfähig. Man sah förmlich, welche Sicherheit Reißberg an den Tag legte und gleich eine ihrer Lieblingstechniken, den spektakulären Sumi-Gaeshi, ansetzte. Zuletzt hatte sie noch im Training an diesem Wurf gearbeitet, vielleicht gab es deshalb auch schon direkt eine große Wertung dafür, als ihre Kontrahentin zu Boden ging. Der nächste Versuch, die Auseinandersetzung zu beenden, erfolgte mit einem Uchi-Mata, den die Vorzeige-Sportlerin der JG immer wieder mal auspackt. Auch hierfür gab es eine große Wertung und in der Addition den vorzeitigen Sieg. Im Vorfeld war eine Finalteilnahme nicht unbedingt zu erwarten, deshalb war auch die nicht sehr hoffnungsvolle Aussicht auf Erfolg erträglich. Elisabeth Greve aus Niedersachsen war ein zu starker Gegner. Die 24-Jährige aus dem B-Kader des Deutschen Judobundes war klarer Titelanwärter und erwies sich als noch eine 'Nummer zu groß'. Somit war nach einer halben Minute und einer gut ausgeführten Außensichel (O-Soto-Gari) der Osnabrückerin der Traum ausgeträumt. Ihr selbstgestecktes Ziel, eine Platzierung unter den ersten Fünf, hat sie aber klar übertroffen. „Ich wollte wohl gewinnnen“, lächelt Reißberg, „aber ich war so nervös, schon Tage vorher und im Finale bei einer solchen Gegnerin erst recht. Aber dass fast meine ganze Familie mitgereist war und mich viele Freunde und Vereinskameraden angefeuert haben, hat mir sehr geholfen.“ Katrin Reißberg hat bis zum Finale keine Wertung gegen sich zugelassen und alle Kämpfe mit Höchstwertung gewonnen. JG-Trainer Berkemeier bescheinigte seinem Schützling technisch und taktisch ein gutes Turnier. „Katrin knüpft mit einer beachtlichen Leistung an die internationalen Erfolge aus der ersten Jahreshälfte an.“ Auch der Bundestrainer der weiblichen U20 und der Bundestrainer der Frauen bedachten Reißberg nach der Siegerehrung mit viel Lob. Mit dem zweiten Platz hat die Münsteranerin eine tolles Ergebnis erzielt und sich für die „große“ DM der Männer und Frauen im Januar 2010 in Bayreuth qualifiziert. Gleichfalls hätten auch die Ranglistenpunkte, die sie bisher erkämpft hat, für einen Start dort gereicht, wo ihr dann unter Umständen auch Olympia- und Weltmeisterschaftsteilnehmer des Seniorenbereichs gegenüberstehen.
Foto: v.l.n.r. Katrin Reißberg, Elisabeth Greve, Barbara Baur, Laura Vargas-Koch – Quelle: Homepage NWJV
bis 70 kg (31 TN):
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||