|
|
|
|
Katrin Reißberg holt Medaille auf der Deutschen
Gar nicht gut schien die Auslosung für Reißberg am Samstag, denn gleich in der ersten Runde wartete mit der Bundeskaderathletin Dominice Weiglein aus Bayern ein klarer Favorit auf den Titel. Lediglich ein Ansatz gelang der Münsteranerin, bevor die spätere Vizemeisterin nach 25 Sekunden kurzen Prozess machte und Reißberg chancenlos im hohen Bogen auf die Matte beförderte. Während Weiglein ungefährdet ins Finale marschierte, musste Reißberg den langen Weg durch die Trostrunde antreten. Den aber beschritt sie mit Bravour. Kathrin Frey aus Wiesbaden war die erste Station. Große Außensichel, Ippon, eine Runde weiter. Dort stand ihr Kerstin Kühn aus Leipzig gegenüber. JG-Trainer Oliver Berkemeier musste lange zittern. Es schien, als wenn die Landeskaderathletin die physisch stärkere Kontrahentin in der regulären Kampfzeit nicht besiegen könnte, und vielleicht hätte die Kraft seines Schützlings in der Verlängerung nicht gereicht. Doch mit Gongschlag kam der erlösende Wurf: Uchi-mata, Ippon. Jetzt hatte die Athletin vom Polizeisportverein Münster schon mehr erreicht, als nach dem langen Trainingsrückstand zu erhoffen war. Aber sie stellte sich der nächsten Gegnerin, der hochaufgeschossenen Melanie Wolf aus Sindelfingen. Reißberg konnte einen Schulterwurf landen. Hierfür gab es eine große Wertung, die sie über die Zeit brachte. Und plötzlich war das große Ziel so greifbar nah. Das kleine Finale war erreicht und damit die Chance auf den ersten Treppchenplatz auf Deutschen Einzelmeisterschaften nach zwei Siebten und einem Fünften Rang in der Vergangenheit. Doch gegenüber stand ihr eine Kämpferin aus dem Perspektivkader des Deutschen Judobundes, Frauke Kucznierz. Noch nie konnte Reißberg zuvor eine Begegnung gegen die Kölnerin gewinnen. Aber die während des Turniers über sich hinausgewachsene 17-Jährige gestaltete den Kampf ganz offensiv, machte schönes Angriffsjudo, scheinbar war die Angst vor einer erneuten Niederlage verflogen. Beide Athletinnen versuchten ihren Seoi-nage durchzubringen, was zunächst keiner von ihnen gelang. Reißberg war dann diejenige, die immer mehr Druck machte und eine mittlere Wertung erzielte. Diese reichte am Ende zum Sieg, zur Erfüllung eines großen Traums, zum dritten Platz. Genau vor einem Jahr war Reißberg in Frankfurt/Oder mit einem komplizierten Schlüsselbeinbruch bei der DEM ausgeschieden und hatte in der monatelangen Rekonvaleszenz und einem erneuten Rückschlag durch eine schwere Schulterverletzung Ende 2007 fast den Anschluss an die Spitze verloren. „Deshalb kam dieser Erfolg auch ein wenig überraschend, ist aber um so schöner, da noch niemand so viel erwarten konnte“, freute sich Reißberg über ihr gelungenes Comeback. „Jetzt will ich weiter dranbleiben und wieder zu alter Form zurückfinden.“ Am Sonntag stellte sich Marius Gleis in der Klasse bis 100 kg der Konkurrenz. Nach einem Freilos besiegte er Marcus Usemann vom Sächsischen Judoverband mit Höchstwertung, traf dann aber in der nächsten Runde auf den späteren Finalisten Max Rollwage aus Niedersachen. Der Bundeskaderathlet ließ dem Westdeutschen Vizemeister keine Chance und schickte ihn in die Trostrunde. Dort konnte sich der Kinderhauser auch gegen Jeffry Mach aus Berlin nicht durchsetzen und verabschiedete sich mit dem neunten Platz aus dem Turnier. |